2009/10/01

Porträts.

Carolin Weinkopf
Julian Landweer | cinematographer | © 2007

Carolin Weinkopf
Ida Svingen Mo | journalist | © 2009

Carolin Weinkopf
Nicolas Grupe | movie producer | © 2008

Carolin Weinkopf
police officer | © 2008

Carolin Weinkopf
Alice Dwyer | actress | © 2009

Carolin Weinkopf
Jan-Christoph Glaser | director | © 2008

Carolin Weinkopf
Chris Heck | director | © 2009

Carolin Weinkopf
Henrike Meyer | artist | © 2009

Carolin Weinkopf
Alice Dwyer | actress | © 2008

Carolin Weinkopf
Lydia Schamschula | actress | © 2008

Carolin Weinkopf
Jörg Schulze | producer | © 2009

Carolin Weinkopf
Amelie Weinkopf | © 2007

Carolin Weinkopf
Katrin C. | journalist | © 2008

Carolin Weinkopf
salad bowl | new york city | © 2009

Carolin Weinkopf
Alice Larroque | college student | © 2008

Carolin Weinkopf
Alexander Lang | retired journalist | © 2008

Carolin Weinkopf
Lea Auerbach | college student | © 2008

Carolin Weinkopf
Sven Hansen | product designer | © 2008

Carolin Weinkopf
Alice Larroque | college student | © 2008

Carolin Weinkopf
Lydia Schamschula | actress | © 2008

Carolin Weinkopf
Isabelle Pohl | editor thejunction.de | © 2008

Carolin Weinkopf
André Szymanski | actor | © 2008

Carolin Weinkopf
Corinna Pehrs | psycholgist | © 2008

Carolin Weinkopf
harlem singer | © 2009

Carolin Weinkopf
Jolanda Sattler | college student | © 2009

Carolin Weinkopf
Julian Landweer | cinematographer | © 2007

Carolin Weinkopf
Jo Radtke | video artist | © 2008

Carolin Weinkopf
Lutz Lehmann | perfumer | © 2008

Carolin Weinkopf
Felician Schlesinger | © 2007

Carolin Weinkopf
Catharina Caterba | actress | © 2008

Carolin Weinkopf
Jasmin Riethmüller | junior creative producer | © 2008

Carolin Weinkopf
Martina Wunderer | doctoral candidate | © 2008

Carolin Weinkopf
Moritz Weinkopf | © 2008

Carolin Weinkopf
Eike Riethmüller | student | © 2008

Carolin Weinkopf
Corinna Pehrs | psychologist | © 2008

Carolin Weinkopf
friends | © 2007

Carolin Weinkopf
Ida Svingen Mo | journalist | © 2006

All photos: © Carolin Weinkopf

Impressionen.

Carolin Weinkopf
can you hear me | berlin | © 2006

Carolin Weinkopf
hay fever | berlin | © 2009

Carolin Weinkopf
rush hour | münster | © 2008

Carolin Weinkopf
nirvana | berlin | © 2009

Carolin Weinkopf
dry | begur | © 2009

Carolin Weinkopf
to be or not to be | berlin | © 2007

Carolin Weinkopf
childhood memory | ocean city | © 2001

Carolin Weinkopf
the other side | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
fleamarket sculpturism | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
times square | new york city | © 2009

Carolin Weinkopf
virgin suicides | berlin | © 2009

Carolin Weinkopf
rule of thirds | london | © 2009

Carolin Weinkopf
freedom fries | brooklyn | © 2009

Carolin Weinkopf
cat power | berlin | © 2007

Carolin Weinkopf
geometry | bad honnef | © 2006

Carolin Weinkopf
leaving | brooklyn | © 2009

Carolin Weinkopf
jesus christ | naucelle | © 2008

Carolin Weinkopf
ancient lines | hamburg | © 2006

Carolin Weinkopf
here i am | coney island | © 2009

Carolin Weinkopf
river sights | new york city | © 2009

Carolin Weinkopf
user's manual | hamburg | © 2006

Carolin Weinkopf
stress | washington d.c. | © 2008

Carolin Weinkopf
danger | oberdollendorf | © 2008

Carolin Weinkopf
construction | new york city | © 2009

Carolin Weinkopf
final destination | berlin | © 2006

Carolin Weinkopf
nu rave | berlin | © 2007

Carolin Weinkopf
boys with tools | new york city | © 2009

Carolin Weinkopf
burocracy | berlin | © 2007

Carolin Weinkopf
too late | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
lonely bird | berlin | © 2006

Carolin Weinkopf
urban idyll | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
kitchen stories | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
subway | new york city | © 2009

Carolin Weinkopf
enlightment | naucelle | © 2008

Carolin Weinkopf
good-bye | washington d.c. | © 2008

Carolin Weinkopf
after climax | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
the four sisters | somewhere in france | © 2008

Carolin Weinkopf
perfume collections | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
sparrow congress | washington d.c. | © 2008

Carolin Weinkopf
snappy | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
frankfurter allee | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
after the rain | zürich| © 2006

Carolin Weinkopf
airport | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
potsdamer platz | berlin | © 2007

Carolin Weinkopf
for heaven's sake | hamburg | © 2006

Carolin Weinkopf
press house | berlin | © 2007

Carolin Weinkopf
frost | oberdollendorf | © 2008

Carolin Weinkopf
119 | berlin | © 2007

Carolin Weinkopf
circle train | berlin | © 2008

Carolin Weinkopf
escalation | washington d.c. | © 2008

Carolin Weinkopf
after sale | amsterdam | © 2002

Carolin Weinkopf
we love | silver spring | © 2008

Carolin Weinkopf
speed | somewhere in france | © 2008

All photos: © Carolin Weinkopf

2009/01/10

Erweiterung fürs Bewusstsein.


Bild: museumonline.at

Nachdem in Berlin die Achtziger bis ins kleinste Detail durchgepeitscht wurden und auch die letzten Leggins zwischen den Oberschenkeln aufgescheuert sind, kann es nur eine logische Konsequenz geben: Ab in die Neunziger! Die Zeichen häufen sich: Hochwasserhosen (über dem Bauchnabel zugeknöpft), Lollis (beim Raven), mittelgescheitelter Pottschnitt (statt schöngeföntem Pony). Das Partyvolk tobt sich an den Relikten der eigenen Kindheit aus.

Statt auf der Kastanienallee in überteuerten Secondhandläden zu stöbern, fragt der stilbewusste Jungberliner in Zeiten des Nineties-Revivals einfach Mama nach dem Kellerschlüssel. Gewählt wird zwischen Flanellhemd und bauchfrei à la Spice Girls, Doc Martens und Gürteltaschen aus Neonplastik. Dass dabei das Jahrzehntegedächtnis der Spätgeborenen nicht immer einwandfrei funktioniert, könnte auf Schlafmangel und bunte Pillen zurückzuführen sein. Zumindest ist man modisch bestens gerüstet für rhythmisches Zappeln zu Trance und Trash.

Neben dem üblichen Bum-Bum haben einige Clubs nämlich jüngst die Neunziger in ihr Repertoire aufgenommen. Am DJ-Pult wird aktueller Elektro mit den One-Hit-Wondern von damals gemischt. Statt Wodka-O ist mancherorts wieder Blue Curaçao oder Sekt on the Rocks im Angebot. Und wäre dieser Sommer nicht so schrecklich verregnet, dann würde "umsonst und draußen" sicher großgeschrieben - ganz im Stil der frühen Neunziger.

In einer Zeit, in der Angie und Gerd auf Bierbänken kuscheln, kann man der Jugend kaum vorwerfen, dass sie sich von der Politik abwendet. Feiern ist bewusstseinserweiternder als das Zuschauen beim täglichen Trauerspiel auf der gesellschaftlichen Bühne. Unter dem Schein eines riesigen Neon-Smileys ist das Peace-Zeichen fast schon wieder ein großes politisches Statement. Dinge kommen eben wieder, weil die Zeit dafür reif ist.

Wer allein bei der Vorstellung der beschriebenen Mode-Stilblüten einen Drang zum Fremdschämen verspürt, sei getröstet: Wenn eine Tageszeitung über einen Trend schreibt, dann ist er zum einen offiziell. Zum anderen ist er aber auch schon fast wieder vorbei.

Carolin Weinkopf im Juli 2007
Berliner Zeitung

2009/01/06

Pleiten, Bush und Pannen.


Bild: vgt.ch


US-Präsident George W. Bush hatte anscheinend nicht seinen besten Tag: In einer Rede am Rande des APEC-Gipfels in Sydney verwechselte er das "A" mit dem "O", Australien mit Österreich und fand nicht von der Bühne.


Bei seinem australischen Gastgeber John Howard bedankte US-Präsident George W. Bush sich am Freitag (7.9.) während seiner Rede am Rande des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC) in Sydney irrtümlicherweise für die Ausrichtung des "OPEC-Gipfels". Um die peinliche Situation vor dem australischen Ministerpräsidenten zu retten, fing er an zu scherzen: Howard habe Bush zum OPEC-Gipfel im nächsten Jahr eingeladen. Ein entscheidender Denkfehler, denn weder Australien noch die USA sind Mitglied der OPEC - der Organisation Erdöl exportierender Staaten.

Der feine Unterschied mit Österreich

Doch damit nicht genug: Als Bush eine Irak-Reise Howards im vergangenen Jahr erwähnte, machte er die australischen Soldaten kurzerhand zu Österreichern ("Austrians"). Den Patzer bemerkten jedoch erst die amerikanischen Korrektoren - im offiziellen Redetext des Weißen Hauses ist nämlich wieder von "australischen Soldaten" die Rede.

Um der peinlichen Situation zu entkommen, stürmte Bush nach seiner Rede hastig vom Podium. Jedoch in die falsche Richtung, wie sich kurz darauf herausstellte. Wenige Meter vorm plötzlichen Ende der Bühne konnte Howard seinen amerikanischen Gast jedoch stoppen. Vom amüsierten Publikum zur Treppe dirigiert, zog Bush schließlich verschämt von dannen.

Carolin Weinkopf im September 2007
Deutsche Welle

2009/01/04

Der duftende Fluch der Zeit.



Parfüms nach Gewicht
ist die vielleicht kleinste Parfümmanufaktur der Welt, ihr 57-jähriger Inhaber Lutz Lehmann einer der letzten Parfümeure Deutschlands.


Lutz Lehmanns Nase ist die einzige freischaffende Berlins. Täglich drei Stunden Training, "das ist am wichtigsten, neben dem Talent". Sorgen macht dem Parfümeur, dass sie trotz regelmäßiger Übungseinheiten allmählich schlechter riecht, statt besser. "Das ist der Preis des Alters", sagt er, und sieht traurig aus dabei. Denn seine Nase hat keinen Nachfolger.

Unscheinbar ist der Laden in der Kantstraße 106 von außen. Erst beim Eintreten strömt ein Hauch von Weltgeist, von Hoffnung und Wehmut auf den Charlottenburger Gehsteig. Der Grund lagert drinnen in zahllosen Glasbäuchen: grünlich schillernd bis cognacfarben tauchen Parfüms aus drei Generationen die Szene in ein warmes, weiches Licht.

In den Hinterzimmern jenseits der Theke erschließt sich Lehmanns Welt. Die Tapete löst sich von den Wänden, es scheint, als habe sie dem süßlich-herben Duft, der sich aus dem geheimen Kellerlabor seinen Weg in die Räume bahnt, mit dem Alter nachgegeben. Schränke säumen den Gang, in den Ecken stapeln sich Kartons. Hier und da ein paar verstaubte Familienfotos. Die surrende Kaffeemaschine wirkt verloren zwischen den Relikten einer 82-jährigen Familiensaga:

Über Afrika soll Harry Lehmann um 1900 bis Arabien gereist sein, bevor er sich in Berlin geschäftlich niederließ. Im südfranzösischen Grasse hatte der Weltenbummler einst auf Wanderschaft das Parfümhandwerk erlernt. Seither war er mit einer Ostseefischerei, arabischen Rennpferden und Immobilienhandel längst zum reichen Mann geworden.



Während im Frühling 1926 Josefine Baker im Bananenrock Berlin den Charleston lehrte, eröffnete Lehmann in der Potsdamer Straße sein Parfümhaus. Bewusst verzichtete er auf Werbung und aufwändige Flakons. In schlichten Glasflaschen konnte er so das Luxusgut zu kleinen Preisen anbieten, ohne an der Qualität zu sparen. Seit jeher gehören so Menschen aus jeder Schicht und allen Altersklassen zu den Kunden. Neben den ersten zehn Kreationen bot der Großvater des heutigen Eigentümers Seidenblumen an, auf Wunsch mit einem Tropfen des Lieblingsdufts veredelt.

Über die Blumen hat Lehmann, der Enkel, oft nachgedacht. Die verkaufen sich nicht mehr so gut, Moden ändern sich eben. „Irgendwie gehören sie aber zur Tradition, genau wie das Parfüm.“ Geändert hat sich über zwei Generationenwechsel hinaus ohnehin nicht viel. Bis auf den Standort, der sich dem bewegten Lauf der Berliner Geschichte des Öfteren anzupassen hatte.

In der Potsdamer Straße wichen die Lehmanns der von Hitler geplanten Nord-Süd-Achse, in der Friedrichstraße wurde das Geschäft im Krieg total zerstört. Nur wenige Blöcke weiter wurde die Familie schließlich aus dem Osten vertrieben. Fortan parfümierte sie weiter westlich, erst am Zoo, seit 1958 in der Kantstraße. Das Inventar kam immer mit, erst seit ein paar Jahren muss es sich den Platz mit Computer, Fax und Drucker teilen.

Nach dem Mauerfall fanden viele Ostberliner den Weg zurück zu Lehmann. „Überglücklich“ sind die, „dass ich ihnen auch heute noch ihr Par-füm von damals mischen kann“. Denn wer einmal eins erstanden hat, dessen Duftrezept bleibt in blassblauer Tinte für immer dokumentiert. Plötzlich klingelt das Telefon, „eine Stammkundin“, entschuldigt sich Lehmann und notiert sich geduldig alle Wünsche. „Wer möchte, kann sich sein Parfüm in die ganze Welt verschicken lassen.“ Rund 50.000 Kunden führt die Kartei. Dazu gehören von jeher auch zahlreiche Prominente. Die behandelt Lehmann streng diskret, noch nie hat er einen Namen ausgeplaudert. Die Dietrich immerhin liebte Veilchen, das hat Lehmanns verstorbene Mutter einmal einer Journalistin verraten.

Neben dem ausgezeichneten Geruchssinn gehört Menschenkenntnis zu den Qualitäten des Meisters. Zunächst analysiert er, ob es sich um einen "blumigen, grünen oder orientalischen Typ" handelt und hält dem Kunden ein paar entsprechende Düfte unter die Nase, dann gibt er spontan und mit fast anmaßender Präzision seine Empfehlung. So viel Aufmerksamkeit bekommt man heutzutage selten.

Zeit muss mitbringen, wer sich durch das ganze Sortiment schnuppern möchte, denn nach fünf bis zehn Riechproben sind die Rezeptoren in der Nase erst einmal besetzt. Wenn sich unter den über 50 Kreationen - neben Klassikern wie Rose oder Lotus auch immer wieder Neuerscheinungen - nicht das Passende findet, lässt sich die individuelle Note auch zusammenmischen. Besonders anspruchsvoller Kundschaft erschafft Lehmann gegen gutes Geld schon mal einen ganz eigenen Geruch.



Das Geschäft läuft, Lehmann kann sich nicht beklagen. Kopfschmerzen bereiten ihm jedoch die EU-Richtlinien, die über sein Handwerk verhängt wurden. "Weil ein paar Laborratten Pickel bekommen haben", darf er zwar mit Thymian sein Essen würzen, aber nicht mehr seine Düfte. "Moschus, Lavendelöl, alles wurde eingeschränkt." Jahrhunderte lang hätten Parfümeure diese Substanzen verwendet. Und wenn denn mal jemand etwas nicht vertragen habe, "Gott, dann habe ich ihm ein anderes Parfüm gegeben".

Nun muss er Jahrzehnte alte Düfte mühsam neu entwickeln. "Der Charakter eines Parfüms setzt sich aus 50 bis 200 Duftbausteinen zusammen. Wenn Sie einen davon wegnehmen, verändert sich die Harmonie. Manche Riechstoffe lassen sich durch nichts ersetzen."

Über das, was kommen mag, wenn die Nase eines Tages aussetzt, will Lehmann heute noch nicht nachdenken. Dem Familiennachwuchs fehlt es an Interesse, an Platz im Laden für Azubis. "Es sieht momentan so aus, als würde das alles hier mit mir sein Ende finden."

Früher sei die Kantstraße als elegante Flaniermeile über die Grenzen der Stadt hinweg bekannt gewesen. Daraus ist heute ein Sammelsurium von Import-Export-Läden und Fastfood-Restaurants geworden. Mit Lutz Lehmann wird eines der letzten traditionsreichen Geschäfte von dort verschwinden. Der Duft von Maiglöckchen, Wüstenwind und Eau de Berlin wird freilich bleiben. Noch 24 Stunden... "Danach", sagt Lehmann, "ist auch der Duft des besten Parfüms verflogen."

Carolin Weinkopf im September 2008